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Bedingungen für den Nachweis metastabiler RNA-Strukturen
In vivo gebildete, metastabile Strukturen liegen in zu geringer
Konzentration in der Zelle vor, um nachgewiesen zu werden. Zudem erschwert
die zeitabhängige Stabilität dieser suboptimalen Strukturen die Detektion
einer in situ vorliegenden Strukturverteilung. Zum einen darf bei der
Präparation der RNA weder eine Umfaltung durch Faktoren wie z.B. die
Ionenstärke oder der Einfluß von Detergenzien erfolgen, zum anderen wird
die Ausbeute an Molekülen zusätzlich durch in der Wirtszelle enthaltene RNasen
verringert. Unter in vitro-Bedingungen lassen sich dagegen etliche dieser
Faktoren ausschalten, wobei allerdings eine Adaptation des System an
in vivo-Bedingungen erfolgen muß, damit eine Strukturbildung durch
sequentielle Faltung im korrekten, den in vivo-Bedingungen angepaßten
Zeitrahmen stattfinden kann.
Hinweise auf die zu wählenden Bedingungen für ein
in vitro-Transkriptionssystem mit der T7-RNA-Polymerase ergaben sich aus der Arbeit
von Repsilber (1995). Dort konnte gezeigt werden, daß die Bildung metastabiler
Strukturen extrem von der Transkriptionsdauer und/oder -geschwindigkeit
abhängt:
- Metastabile Strukturen
- können bevorzugt bei geringen
Transkriptionsraten und/oder kurzen Inkubationszeiten nachgewiesen
werden.
- Thermodynamisch stabilisierte Strukturen
- dominieren dagegen bei
hohen Transkriptionsraten und/oder langen Inkubationszeiten. Dabei
ergeben sich suboptimale Strukturen durch sequentielle Faltung in
wesentlich geringeren Konzentrationen.
Unter optimalen Bedingungen bei 37
oC erfolgt die Transkription durch die
T7-RNA-Polymerase mit einer Elongationsrate von ca. 230nt/s (Golomb & Chamberlin, 1974). Im
Vergleich dazu weist die PolymeraseII in vivo eine deutlich geringere
Rate zwischen 5 und 25nt/s auf (Manley, 1984; Marzluff & Huang, 1984; Kadesch & Chamberlin, 1982).
Daraus ergibt sich als erster, absolut entscheidender Parameter für die
Kalibrierung des Transkriptionssystems die Elongationsrate der T7-RNA-Polymerase .
Faktoren, die eine Variation der Transkriptionsrate ermöglichen sind z.B.
die Ionenstärke, die Viskosität des Mediums oder der Einsatz spezifischer
Inhibitoren. Allerdings handelt es sich hierbei um Parameter, die
gleichzeitig Einfluß auf die Strukturbildung haben. Eine Regulation über
die Temperatur wäre denkbar. Dabei ist jedoch zu beachten, daß gleichzeitig
die Kinetik der Strukturfaltung sowie der Umlagerung der Strukturen
beeinflußt werden könnte. Eine weitere Möglichkeit stellt die Variation der
NTP-Konzentration dar, durch die die Transkriptionsrate in einem weiten
Bereich einstellbar ist (Chamberlin & Ring, 1973; Masukata & Tomizawa, 1990). Dabei ist darauf
zu achten, daß die vier Nukleotidtriphosphate in gleichen molaren Konzentrationen vorliegen,
was für das in dieser Arbeit erstmals verwendete Nachweisverfahren über den
Einbau von radioaktiv markiertem
P-UTP von Bedeutung ist. Zudem ist
die Detektion der metastabilen Strukturen, wie schon erwähnt, bei kurzen
Transkriptionszeiten möglich (vgl. dazu Abschnitt ,,Nachweis der
Transkripte`` auf S.
). Unter Berücksichtigung dieser
Aspekte wurden die Bedingungen für das in vitro-Transkriptionssystem zur
Anpassung an die natürlichen Bedingungen in der Zelle wie folgt gewählt:
- Die Transkriptionsansätze wurden alle bei 25
oC inkubiert. Damit
findet die Strukturfaltung bei einer den in vivo-Bedingungen
entsprechenden Temperatur statt. Zudem ist hier gleichzeitig die
Transkriptionsrate der T7-RNA-Polymerase im Vergleich zu den optimalen Bedingungen bei
37
oC verringert.
- Die Nukleotidtriphosphate wurden in einer Konzentration von 500
M eingesetzt,
was im Vergleich zu den von Rachen (1997) durchgeführten Untersuchungen
eine Halbierung der NTP-Konzentration und damit eine weitere Erniedrigung
der Elongationsrate bedeutet, um tendenziell den in vivo-Bedingungen für
die PolymeraseII noch näher zu kommen.
- Alle anderen Parameter wurden auch in Hinblick auf die
Vergleichbarkeit mit den von Repsilber (1995) und Rachen (1997)
durchgeführten Untersuchungen konstant gehalten (vgl. Abschnitt 3.3.4).
Repsilber (1995) konnte für die Transkription des Plasmids pSH1
(Heinrich, 1994) bei 25
oC und einer NTP-Konzentration von je 400
M eine
Transkriptionsrate von
84nt/s bestimmen. Eine Abschätzung der
Transkriptionsraten konnte im zeitlichen Rahmen dieser Arbeit nicht mehr
erfolgen. Da sich die hier verwendeten cDNA-Matrizen nur in den
Startstellen für die Transkription und nicht in der Basenzusammensetzung
- abgesehen von zusätzlichen 11 Nukleotiden am 3'-Ende von pSH1 -
unterscheiden, kann in den hier durchgeführten Experimenten von einer
Transkriptionsrate in dieser Größenordnung ausgegangen werden. Die
verwendeten Bedingungen stellen einen gewissen Kompromiß zwischen der
Verringerung der Transkriptionsrate und der Nachweisbarkeit der Transkripte
dar, da anfängliche Versuche mit einer NTP-Konzentration von 50
M
aufgrund der zu geringen Nachweisempfindlichkeit der Autoradiographie zu
keinem Ergebnis führten. Eine Erhöhung der Sensitivität zum Nachweis der
Transkripte steht mit dem Bio-Imaging-System (vgl. Abschnitt 3.5.5)
zur Verfügung. Mit dieser Methode konnte die Hybridisierung des
Strukturoligonukleotids 27AB (siehe Abb. 4.10
und 4.12) verfolgt werden, obwohl die getrockneten Gele
nur eine Aktivität von 40cpm (mit dem Handzähler gemessen) aufwiesen.
Durch die verringerte Elongationsrate ergeben sich für die Synthese von
Vollängentranskripten mit 359nt Länge Zeiten von wenigen Sekunden. Damit
ist jedes Polymerase-Moleküle in der Lage, auch bei der kürzesten
Inkubationszeit von 30s mehrere Transkripte zu synthetisieren. In diesem
Zusammenhang konnte gezeigt werden, daß auch nach 30s überwiegend
Vollängentranskripte entstehen, allerdings nur in einer sehr geringen
Konzentration (Repsilber, 1995).
Desweiteren muß die zeitabhängige Stabilität der metastabilen Strukturen
mit in die Betrachtung der für den Nachweis zu verwendenden Bedingungen
einbezogen werden. Beeinflußt wird die Metastabilität durch die Temperatur.
Ziel der Detektion ist es, die nach einer bestimmten Inkubationszeit durch
Abstoppen der Transkriptionsreaktion mit EDTA erhaltene Strukturverteilung
zu ,,fixieren`` und durch die Auftrennung mittels TGGE zu analysieren. Aus
diesem Grund erfolgt die weitere Behandlung der Transkriptionsansätze nach
dem Abstoppen der Reaktion bis zum Anlegen des Temperaturgradient en bei 4
oC. Eine
Veränderung der Strukturverteilung wird so durch die bewirkte
Stabilisierung der gebildeten Strukturen stark verzögert, denn die
vorliegende Temperatur von 4
oC liegt weit unter den TM-Werten von
einzelnen Strukturelementen, sodaß die Umlagerungsgeschwindigkeiten
verringert sind. Der dabei ebenfalls vorgenommene Wechsel von Hoch- zu
Niedrigsalzbedingungen trägt ebenfalls zur Stabilisierung der Strukturen
bei (Baumstark & Riesner, 1995; Riesner et al., 1992). Daher kann davon
ausgegangen werden, daß die im Anschluß mittels TGGE analysierte Verteilung
der Strukturen derjenigen direkt nach Transkriptionsstopp entspricht.
Natürlich sollte zwischen dem Abstoppen der Reaktion und dem eigentlichen
TGGE-Hauptlauf so wenig Zeit wie möglich vergehen.
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S. Gräf