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Sekundärstrukturanalyse der pSG111-Transkripte
Abbildung:
Theoretische Sekundärstrukturanalyse der
pSG111-Transkripte durch das LinAll-Programm. A. Optische Schmelzkurve; B.
Aus den sechs optimalsten Sekundärstrukturen gemittelter
Retardationsplot; C. Retardationsplot der thermodynamisch günstigsten
Struktur; D. Beispiele einiger in C. erhaltenen Sekundärstrukturen, die
repräsentativ das Aufschmelzverhalten der RNA dokumentieren.
|
Die Abbildung 4.13 enthält die Ergebnisse für das
pSG111-Transkript. In der Schmelzkurve sind drei Übergänge
zu sehen, während der gemittelte Retardationsplot nur zwei deutlich
zuerkennende Übergänge zeigt. Anhand der abgebildeten Sekundärstrukturen
kann nachvollzogen werden, wie das Aufschmelzen des Transkriptes
abläuft. Ausgehend von der Stäbchenstruktur (1) beginnt die Denaturierung
in der rechten Hälfte, wodurch der erste Übergang zustande kommt. Dabei
lagert sich die linke Stäbchenhälfte in den stabilen HPX um, der zum
ersten Mal als Motiv in der dargestellten Struktur (7) zu finden ist. Das
Auflösen sämtlicher Basenpaarungen in der rechten Hälfte bewirkt dann den
zweiten Übergang (von (8) nach (9)). Der dritte, in der optischen
Denaturierungskurve deutlich zu erkennende Übergang ist auf die Umlagerung
der linken Hälfte in den HPII zurückzuführen, während der HPX nach wie
vor erhalten bleibt. Mit dieser Umlagerung geht allerdings keine starke
Mobilitätsänderung einher, was der dritte, flache Übergang im gemittelten
Retardationsplot zeigt. In der experimentell ermittelten Gelkurve der
Stäbchenkonformation (vgl. Abb. 4.6) treten ebenfalls zwei
Übergänge auf. Überträgt man die aus den Temperaturgradient engelen ermittelten
Tm-Werte auf die Salzbedingungen der theoretischen Berechnungen mit
1M Na+-Ionenkonzentration nach Langowski et al. (1978), die bei
einer Verzehnfachung der Natriumkonzentration eine Erhöhung der
Denaturierungstemperatur einer PSTVd-RNA von 13,2
oC vorschlagen, so ergibt
sich:
| |
experimentell |
theoretisch |
| Tm1 |
65
oC |
68
oC |
| Tm2 |
73
oC |
83
oC |
Dabei stehen Tm1 für die Denaturierungstemperatur am ersten und
Tm2 für die Temperatur am zweiten Übergang. Da die Tm-Werte auch
von dem GC-Gehalt der RNA sowie den Sekundärstrukturmotiven und tertiären
Wechselwirkungen abhängt (Steger et al., 1980), handelt es sich hier nur
um eine grobe Abschätzung. Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen
unterstützen die theoretischen Berechnungen den experimentell gefundenen
Bandenverlauf der thermodynamisch günstigsten Struktur, die auf jedem
Temperaturgradient engel nachzuweisen war.
Da in den Hybridisierungsexperimenten zusätzliche Banden
aufgetreten sind, wurden die oben durchgeführten Rechnungen auch in
Kombination mit dem Oligonukleotid 27AB durchgeführt, um eine Vorstellung
von den Wechselwirkungen zwischen Transkript und Oligonukleotid zu
bekommen. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine exakte
bimolekulare Rechnung. Die Komplexierung des HPII durch 27AB ist hier
nicht zu erwarten, da zum einen keine entsprechenden Parameter für den im
Komplex entstehenden internen Loop zur Verfügung stehen und es sich
strenggenommen bei der Komplexwechselwirkung um eine Tertiärstruktur
handelt, die von LinAll nicht berechnet werden kann. Die Ergebnisse sind in
Abbildung 4.14 dargestellt.
Abbildung:
Theoretische Sekundärstrukturanalyse der
pSG111-Transkripte in Kombination mit dem Oligonukleotid 27AB durch das
LinAll-Programm. A. Optische Schmelzkurve; B. Aus den sechs optimalsten
Sekundärstrukturen gemittelter Retardationsplot; C. Retardationsplot der
thermodynamisch günstigsten Struktur; D. Beispiele einiger in C.
erhaltenen Sekundärstrukturen, die repräsentativ das Aufschmelzverhalten
der RNA dokumentieren.
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Es zeigt sich, daß das Oligonukleotid 27AB von der ersten bis zur letzten
dargestellten Struktur abgesehen von vier Nukleotiden am 5'-Ende eine
vollständig durchgepaarten Doppelstrang mit den Transkriptnukleotiden 220
bis 242 bilden kann. Das hier berechnete Aufschmelzverhalten unterscheidet
sich nur wenig von dem in Abbildung 4.13 dargestellten. Die
Denaturierung beginnt ebenfalls in der rechten Hälfte des Stäbchens,
allerdings bildet sich auch schon in der ersten Struktur bei 40
oC der
extrem stabile HPX aus, was auf die Struktursonde zurückzuführen ist.
Zudem unterbindet 27AB die Ausbildung des HPII (Struktur (13)), wodurch der
dritte Übergang in der optischen Schmelzkurve wesentlich flacher ausfällt.
Mit diesen Ergebnissen lassen sich die zusätzlichen Banden ,,X`` und ,,Y``
auf den Temperaturgradient engel in Abbildung 4.9 erklären. Bei
ausgebildetem HPII erfolgt die Hybridisierung der Struktursonde an die
Loopnukleotide. In diesem Fall läßt sich der HPII wie erwartet nachweisen,
was durch das Signal der Bande ,,Q`` (vgl. Abb. 4.9
und 4.10) bestätigt wird. Vergleicht man nun die
Intensitäten der Banden ,,X`` und ,,Y`` mit der der Bande ,,Q``, so fällt
auf, daß das Signal von ,,Q`` in dem Maße schwächer wird, wie sich die Signale
von ,,X`` und ,,Y`` intensivieren. Dieser Sachverhalt deutet auf eine durch
das Oligonukleotid bewirkte Umfaltung des HPII-Motivs in Abhängigkeit von
der Temperatur hin. Mit der Bande ,,X`` lassen sich Strukturen
detektieren, die weniger stark verzögert werden und bei etwa 28
oC einen
reversiblen Übergang in die Strukturen der Bande ,,Y`` zeigen. Bei ,,X``
könnte es sich damit um ein Stäbchen mit gebundenem Oligonukleotid handeln,
während ,,Y`` durch das Einfalten des Oligonukleotids in den
HPII-Helixstamm entstanden ist.
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S. Gräf