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Eigenschaften der Viroidstruktur
Mit Hilfe von Elekronenmikroskopie und einer Reihe von chemischen,
physikalischen und enzymatischen Methoden konnte die native
Sekundärstruktur des PSTVd aufgeklärt werden. Die zirkulär geschlossene,
einzelsträngige Viroid-RNA nimmt, wie in Abbildung 1.1
schematisch dargestellt, aufgrund der Selbstkomplementarität der Sequenz
eine unverzweigte, stäbchenförmige Konformation ein.
Abbildung:
Schematische Darstellung der
PSTVd-Sekundärstruktur. Oben ist die Sekundärstruktur und Sequenz des
PSTVd-StammintermediateDi dargestellt. Unten ist die
theoretische dreidimensionale Stäbchenstruktur gezeigt, deren
Achsenverhältnis durch hydrodynamische Experimente zu 20:1 bestimmt
wurde. (aus: Gross & Riesner, 1980)
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In dieser Struktur liegen kurze Helices mit bis zu neun Basenpaaren vor,
die durch ungepaarte Bereiche unterbrochen sind
(Riesner et al., 1979; Sänger et al., 1976; Gross & Riesner, 1980; Wild et al., 1980). Durch diese
Konformation erhält das Molekül eine nahezu optimale thermodynamische
Stabilität und ist zudem aufgrund der Zirkularität vor dem Angriff von
Exonukleasen geschützt.
Abbildung 1.2 zeigt Regionen in der PSTVd-Sekundärstruktur
mit unterschiedlicher funktioneller Bedeutung. In der Mitte der
Stäbchenkonformation befindet sich die zentrale konservierte Region (CCR),
die im oberen Strang aus einem zentralen GC-Palindrom besteht. Bei diesem
Bereich handelt es sich um den unter allen Viroiden der PSTVd-Klasse am
stärksten konservierten Sequenzabschnitt. Diese Region ist für die
Replikation von Bedeutung, da sich beim PSTVd die Prozessierungsstelle in
der CCR zwischen den Nukleotiden G95 und G96
(Baumstark et al., 1997), sowie die eine der beiden Startstellen für die
Transkription von +- in -strängige RNA an der Position A111
(Fels, 1997) befinden. In der rechten Hälfte befindet sich ein Bereich,
der zwischen den Viroiden weniger als 50 % Homologie aufweist und als
Variable Region (Var) bezeichnet wird
(Steger et al., 1984; Keese & Symons, 1985; Sänger & Haas, 1988). Das Stäbchen wird rechts und
links von terminalen Loops flankiert, die mit TR und TL bezeichnet
sind. Durch elektronenmikroskopische Untersuchungen konnte an diesen
Stellen die Bindung von aufgereinigter Weizenkeim-PolymeraseII nachgewiesen
werden (Goodman et al., 1984).
Abbildung:
Schematische Darstellung der fünf funktionell
bedeutenden Regionen in der PSTVd-Sekundärstruktur. TL/TR: linke und
rechte terminale Domäne; VM: Virulenz-modulierende Region; CCR: Zentrale
konservierte Region; Var: Variable Region. Nähere Erläuterungen sind im
Text zu finden. (nach: Keese & Symons, 1985)
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Durch Mutationen in der rechten terminalen
Region (TR) wird eine systemische Viroid-Infektion der Wirtspflanze
verhindert, was eine Funktion dieses Bereichs im Rahmen des interzellulären
Transports vermuten läßt (Hammond, 1994; Owens & Hammond, 1990). Die linke Molekülhälfte
enthält die sog. Virulenz-modulierende Region (VM). Mutationen in diesem
Bereich wirken sich stark auf die Pathogenität von PSTVd aus. Die
Bandbreite reicht von ganz leichten Krankheitssymptomen nach Inokulation
mit dem PSTVd-Stamm Mild bis hin zu stark verkrüppeltem Habitus, der
durch Infektion mit dem PSTVd-Stamm RG1 hervorgerufen wird. Diese
Pflanzen erreichen nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Größe. Als
Referenz kann der PSTVd-Stamm intermediateDi angesehen werden,
dessen RNA-Sequenz zuerst von Gross et al. (1978) publiziert wurde und als
Vorlage für die hier durchgeführten Untersuchungen diente.
Schnölzer et al. (1985) postulierten für die VM-Region einen Zusammenhang
zwischen thermodynamischer Stabilität und Pathogenität, was sich allerdings
nicht bestätigen ließ (Owens et al., 1996). Mittlerweile gibt
es eindeutigere Hinweise, daß die Pathogenität mit der räumlichen Struktur
dieser Region zusammenhängt (Schmitz & Riesner, 1998). In diesem Zusammenhang
wird die Bindung eines zellulären Proteins an die VM-Region als
ausschlaggebendes Ereignis für die Pathogenität diskutiert.
Eine weitere Eigenschaft, die die Viroidmoleküle auszeichnet, zeigt sich
bei der thermischen Denaturierung, die in einem hochkooperativen
Übergang erfolgt (Riesner & Steger, 1990; Riesner et al., 1979; Steger et al., 1984; Henco et al., 1979).
Abbildung:
Modell zur Denaturierung der
PSTVd-Sekundärstruktur. I-III markiert die HPI-III bildenden
Bereiche. PM1-3 markiert die Vorschmelzbereiche (premelting regions).
Nähere Erläuterungen sind im Text zu finden.
(aus: Riesner et al., 1987, verändert)
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Aus den Untersuchungen konnte das in Abbildung 1.3 gezeigte
Modell entwickelt werden.
Die Denaturierung beginnt in der linken Hälfte des Stäbchens, da
sie aufgrund des geringeren GC-Anteils einen niedrigeren Schmelzpunkt
aufweist und setzt sich über die drei sog. Vorschmelzbereiche (premelting
regions (PM); Steger et al. (1984)) fort. Bei der Denaturierung in
der linken Hälfte entstandene einzelsträngige Bereiche können mit zum Teil
gepaarten, zum Teil ungepaarten Abschnitten in der rechten Molekülhälfte
wechselwirken, wodurch diese destabilisiert wird. Die Folge ist eine
hochkooperative Umfaltung, bei der sich die Stäbchenkonformation zugunsten
einer verzweigten Struktur auflöst. Die neu geformte, verzweigte
Konformation enthält drei stabile Haarnadelstrukturen (bezeichnet als HPI,
HPII und HPIII; vgl. Abb. 1.3), die sich bei
weiterer Erhöhung der Temperatur in Abhängigkeit von ihrer
thermodynamischen Stabilität auflösen bis das RNA-Molekül als offener
Zirkel vorliegt. Mit Ausnahme des ASBVd bildet sich der HPI bei allen
Viroiden. Den HPII findet man, abgesehen von kleinen Variationen in der
Sequenz, bei allen Pospi-Viroiden, während der HPIII ausschließlich bei
PSTVd vorkommt. Der hochkooperative Übergang konnte für alle untersuchten
Viroide gezeigt werden. Allerdings erfolgt er in diesem Fall bei einer geringeren
Temperatur, als es für doppelsträngige RNA zu erwarten wäre. Da bei
theoretischen Berechnungen mit vergleichbaren Zufallssequenzen und einigen
anderen natürlich vorkommenden zirkulären RNAs keine dieser Eigenschaften
erhalten wurden (Steger et al., 1984), handelt es sich hier um
charakteristische Merkmale der Viroide.
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S. Gräf